Meine Transalp 2022 – Ein Erfahrungsbericht

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Es ist vollbracht! Ich habe meine diesjährige Transalp 2022 hinter mich gebracht und ich blicke wirklich mit viel Stolz auf diese mega krasse Erfahrung zurück. 

Warum ich das gemacht habe? Klar einmal wegen der Landschaft und weil ich Mountainbiken einfach liebe und so einfach in der Natur unterwegs sein kann. Aber auch weil ich mich einfach manchmal gerne selber quäle. Ich muss raus aus Komfortzonen, brauche einfach manchmal die Challenge. Vielleicht ist das auch mal ein Blogartikel wert… 🙂 Aber nun zum eigentlichen Thema. Meine Transalp vom Zillertal über die Dolomiten Richtung Gardasee – ein Erfahrungsbericht.

Die Zeit vor der Alpenüberquerung

Im Januar 2022 war es endlich soweit. Mein Kumpel und ich haben uns bei Multicycle Tours eingebucht und damit war das Thema Transalp 2022 eingeloggt. Jetzt sollten dann im Sommer rund 9.000 Höhenmeter und round about 400 Km Strecke auf mich warten. Und das gut einen Monat nach Weihnachten und all den ganzen Süßigkeiten 😀

Egal. Vorbereitung ist wichtig und so habe ich angefangen mein Sportpensum zu erhöhen. Ich bin Laufen gegangen und klar Squash spiele ich eh wieder seit längerem. Aber komischerweise – so rückblickend – bin ich echt wenig Bike gefahren. Hier bei uns im Flachland ist es eh schwierig sich adäquat vorzubereiten, weil es uns einfach an Bergen fehlt. Aber Wuascht! Ich machte was ich konnte und am Ende sollte es eh anders kommen: 

Denn eine Woche vor Start bin ich erkrankt und habe eine fiese Nebenhöhlenentzündung kassiert wo ich mir dachte, dass geht so nicht. Niemals kann ich so fahren, weil ich auf eine Herzmuskelentzündung oder andere Komplikationen echt keine Lust hatte. Ich bin verzweifelt zum Doc und er sollte mir alles geben, was in seinem Schrank und nützliche war. Danke an dieser Stelle an meinen Hausarzt. Er fährt selber MTB und fühlte meinen Schmerz 😀

So habe ich mich die Woche vor dem Start dann einfach maximal geschont und fleißig mein Antibiotika verschlungen. 

Die Anreise nach Weerberg im Zillertal

Es war Freitag früh als wir losgefahren sind. Wir hatten eine relativ lange Anreise mit dem Auto. Damit wir für den Samstag einigermaßen fit sind (das galt für mich ja eh nicht so richtig) haben wir uns entschieden einen Tag eher anzureisen und somit ganz entspannt am nächsten Morgen dann ausgeruht auf dem Bike sitzen zu können. Nach gut 10 Stunden im Auto waren wir abends dann endlich da. Es gab noch ein leckeres Abendessen und dann ging es auch schon in die Falle. 

Die erste Etappe

Der Wecker klingelt pünktlich um 7 Uhr und es ging dann direkt zum Frühstücken. Ein kleines schönes Wiedersehen gab es dann gleich auch, denn zufälligerweise war wieder ein Teilnehmer dabei, mit dem ich vor drei Jahren schon mal gefahren bin. Unabgesprochen. Sehr schöner Moment. 

Mein Kopf ist allerdings an diesem Morgen so gar nicht im Transalp Modus, denn ich habe immer noch meine Erkältung im Körper und mache mir Gedanken, ob das gerade alles so richtig ist was ich tue. Anyway. Jetzt bin ich da und ich probiere es. Wir treffen die Gruppe dann am vereinbarten Treffpunkt. Nach einem kurzen Bike-check und Kennenlernen der Teilnehmer geht es dann auch schon los. Meine Apple-Watch zeigt mir, dass mein Puls schon sehr schnell hoch geht und ich denke mir, ok ich probiere es so gut es geht einfach nicht all zu hoch zu kommen, so dass mein Körper einfach nicht zu sehr gestresst wird. 

Auf dem Höhenweg mit Blick auf das Karwendel-Gebirge

Heute geht es von Weerberg nach Steinach am Brenner. Wir kurbeln uns über sehr schöne Höhenwege weg vom Karwendelgebirge. Hier können wir das herrliche Panorama über das Inntal genießen. Die Brennerstraße ist eine relativ stark befahrene Straße, was das ganze wirklich nur ein wenig unangenehm gemacht hat. Aber die Eindrücke von dem ersten Tag waren schon sehr enorm. Angekommen in Steinach am Brenner bin ich erstmal zusammengesagt und konnte mich einfach nicht mehr bewegen. Squash und Laufen ist eben nicht Biken 😀 Mir hat einfach alles weh getan inkl. meinem Hin**rn. Abends gab es dann das erste gemütliche Beisammensein beim Essen, so dass man sich auch weiter kennenlernte. 

Die 2. Etappe meiner Transalp

Der Wecker meldet sich wieder pünktlich und zuverlässig um halb 7, stehe aber erst um 7 auf. Also hab ich noch eine halbe Stunde für Frühstück 😀 Irgendwie hatte ich jetzt schon keine Lust mehr vom Kopf her. Aber was solls. Ich bin gekommen um das Ding zu fahren. Also ging es um 8 Uhr direkt weiter Richtung Aicha – unser heutiges Etappenziel. Wir haben uns noch ein Stück der Brennerstraße bis nach Grieß weiter gekurbelt um später ins Obernberger Tal abzubiegen. Hier hat uns der erste große Anstieg erwartet. Gefühlte 2-3 Stunden kurbel ich mich den Sattelberg hoch und kämpfe immer noch mit meinem Mindset und meinem Kopf. Und natürlich mit einer teilweisen brutalen Steigung. Manchmal geht es nicht, ich muss schieben. Oben angekommen gab es dann eine kurze Rast und ich konnte kurz durchschnaufen und natürlich das herrliche Panorama genießen. Hier begrüßte uns das Schlüsseljoch, der Olperer und natürlich die Dolomiten. 

Wenn es rauf geht, dann geht es auch wieder runter. Nach dem Anstieg hat uns eine wunderschöne Abfahrt erwartet, sodass wir im weiteren Verlauf mit “Auf und Abs” Richtung Aicha zum Klammerhof unserem heutigen Hotel geradelt sind. 

 

Ein wunderschönes Panorama in den Dolomiten

Die dritte Etappe

Was für eine Nacht. Ich habe null geschlafen, da ich in meinem Dachgeschosszimmer gefühlt 28 Grad hatte. Zu allem Überfluss hatte ich dann auch noch eine Mücke im Zimmer, die ich aber relativ schnell nicht mehr gehört habe. Die hatte offenbar auch keine Lust zu fressen weils zu warm war. Anyway. Ich bin hier gefühlt um 2 Uhr nachts endlich eingeschlafen und konnte mich dann aber wieder relativ früh an den Frühstückstisch setzen. Heute warten 1.700 Höhenmeter auf mich. 

Wir satteln auf und fahren einen hübschen Trail hinunter zur Rundlbrücke in der Rienzschlucht. Jetzt müssen wir schieben. Der Trail ist sehr steil und verwurzelt, so dass glaube selbst ein E-Bike an seine Grenzen käme. Die Strecke zieht sich und ich erkämpfe mir jeden Meter, da wir um 10 Uhr morgen schon gute 26 Grad hatten. Die Bremsen (ich meine diese kleinen Fiecher) waren letztlich eine solide Motivation einfach nicht stehen zu bleiben 😀

Oben angekommen mussten wir verschnaufen, denn es folgte der große Anstieg des Tages. Wir kurbelten uns lange hoch zur Rodenecker Alm, wo ich ein herrliches Gulasch hatte. Es war wirklich lecker aber lag mir dann doch etwas schwer im Magen 😀 Aber auch hier war das Panorama unfassbar schön. Bergab ging es danach nach Ellen und anschließend bei sängender Hitze nach St. Vigil.

Die 4. Etappe meiner Transalp

Ich wollte heute einfach nicht fahren. Aber Steffi unsere Guidin meinte zu mir, ich könne das nicht machen ich werde was verpassen. Mein Herpes auf der Lippe sagte mir, dass mein Körper doch gerade etwas Down ist 😀 Aber Steffis Argumente waren stark und sie sollte Recht behalten. Es ging morgens weiter zum Ritjoch wo wir uns hoch zum Wahlfahrtsort “heilig Kreuz” hochkurbelten. Die Aussicht auf 2045 Metern ist gigantisch.

Eine sehr schöne Aussicht entschädigt am Ende alles

Im weiteren Verlauf haben wir die Gondel genommen. Das war noch mal eine Gelegenheit um kurz zu verschnaufen. Diese hat uns hoch auf die Pralongia gebracht. Einem sehr mächtigen Panorama Wiesenbuckel mitten in den Dolomiten. Dort oben gab es noch ein paar Höhenmeter zu nehmen. Ich merkte so langsam, dass sich mein Körper doch echt an das ganze Thema gewöhnt hatte. Unfassbar, wozu der menschliche Körper in der Lage ist. Auf dem weiteren Verlauf gab es sogar ein paar präperierte Downhill Trails, die mich natürlich extremst freuen 😉 

Gegen Nachmittag sind wir dann in Arabba angekommen. Hier habe ich ein kleines süßes Zimmer in einem italienischen Albergo bekommen. Den Abend haben wir wieder bei einem leckeren Abendessen ausklingen lassen. 

Die 5. Etappe meiner Alpentour

Heute stehen 1.532 Höhenmeter auf dem Programm. Der heutige Morgen ist ein Kaltstart. Es geht also ohne groß einradeln Bergauf. Wir schlängeln uns die Passtraße rauf zum Pordoipass. Es war an dem Tag, wie solls anders sein morgens schon extrem warm und die komplette Straße lag unter strahlender Sonne. Also kein Schatten auf dem Weg nach oben. Zwischendurch gab es dann ein paar eilige Sportwagenfahrer, die das ganze als Rennstrecke betrachtet haben. Nicht so toll, aber so ist das. 

Kurz schnell ein Foto machen

Die Abfahrt runter ins Fassatal war zügig und angenehm und entschädigt den langen Anstieg. Weiter ging es nach Obereggen in das Hotel Cristal. So ein schönes Hotel hatte ich selber noch nie besucht und war extrem begeistert. Das kam direkt auf meine Bucket-List, wo ich unbedingt mit meiner Familie noch mal hin möchte. 

Tag 6 meiner Alpentour – Endgegner

Morgens als ich aufgestanden bin dachte ich, ok das wird ja heute entspannt. Es sind ja nur 1.050 Höhenmeter und nur 120 Km zu fahren. Alles Easy… Es sollte doch noch mal eine echte Challenge für Körper und Geist werden. Wir kurbelten uns hoch bis zum Epirchner Laner, wo wir die letzten Eindrücke der Dolomiten noch einmal genossen. Ab jetzt geht es nämlich fast nur noch runter. Von Fleimstal nach Cavalese sind wir durch das “Tal des Gegenwindes” oder auch Cembra Tal wie es weniger dramatisch heißt gefahren. Es war aber gefühlt dramatisch, denn ich habe schnell erfahren, wo der Name herkommt :D. Warum sollte es denn jetzt auf einmal entspannter sein? Was hat diese Etappe zu einer Challenge gemacht? Also zum Einen sind es diese 120 KM die du auf der Uhr stehen hast. Dann kommt die unfassbare Hitze dazu. Wir hatten Spitzentemperaturen von 44 Grad und dann noch Gegenwind. Einfach hat es uns die Natur hier nicht gemacht. Aber nach einer langen anstrengenden Fahrt sind wir endlich in Torbole angekommen und ich habe meine 2. Transalp damit heile beendet.

Fazit zu meiner Transalp

Trotz aller Bedenken im Vorfeld bin ich richtig froh, dass ich das gemacht habe. Ich bin ein Typ, der sich einfach manchmal selber quälen muss. Für mich ist es unglaublich wichtig einfach mal aus seiner Komfortzone auszubrechen und Dinge zu tun, die nichts mit alltäglichem zu tun haben. Klar ich hätte natürlich auch einen Strandurlaub machen können – ist ja schließlich auch nichts alltägliches. Aber um sein Mindset weiter zu entwickeln, braucht es für mich definitiv andere Dinge. Ich würde die Tour jedem weiterempfehlen, der die Challenge sucht. Auch der Anbieter organisiert hier eine sehr stimmige Woche, so dass man sich voll und ganz aufs Biken konzentrieren kann.

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